Mikroplastik in Europa

16.12.2015 - Auszüge aus der PM zur Konferenz: Microplastic in the Environment

Die weltweite Kunststoffproduktion wurde 2014 auf 311 Millionen Tonnen geschätzt – der Anteil der europäischen Kunststoffindustrie hieran beträgt ca. 20 %. Diese Kunststoffe werden für zahlreiche Produkte im Verpackungswesen, Bau, der Elektronikbranche und anderen Märkten verwendet. 10 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle gelangen pro Jahr in die Meere. 
 
Viele Mikroplastik-Quellen konnten bereits identifiziert werden, z. B. Handseife, Zahnpasta, Lösungs- und Reinigungsmittel und sekundäre Quellen wie Reifenabrieb, Straßenmarkierungen oder Granulate auf Spielplätzen. Eine Studie, die Eunomia für die Europäische Kommission durchführte, schätzt die jährliche Verschmutzung der Meeresumwelt durch Mikroplastik in Europa auf 25.000 bis 60.000 Tonnen Reifenabrieb, 25.000 bis 50.000 Tonnen Verluste von Pellets, 8.000 bis 52.000 Tonnen Textilfasern, 12.000 bis 30.000 Tonnen Fassadenfarben, 8.000 bis 18.000 Tonnen Straßenmarkierung, 3 bis 9 Tonnen Kosmetika und weniger als 5 Tonnen Schiffsanstrich.
    
        
Folgen von Mikroplastik
 
Meeresverschmutzung ist verantwortlich für negative Auswirkungen auf die Gesundheit von über 600 Tierarten. Über die Hälfte der Spezies verschlucken Kunststoffteile oder verwickeln sich in ihnen. Die Bestandteile von Mikroplastik können giftig sein oder endokrine Wirkungen haben.
 
Zudem können Meeresorganismen, die Mikropartikel aus Kunststoff zu sich nehmen, auch höheren Dosen langlebiger organischer Schadstoffe ausgesetzt sein, die an der Oberfläche von Mikroplastik haften. Dadurch besteht die Gefahr giftiger Stoffe, die sich im Nahrungsnetz ansammeln, eine Vielzahl von Tierarten und dadurch schließlich Menschen schädigen. 
    
Lösungen
 
Es herrscht Einvernehmen darüber, dass grundsätzlich alle Kunststoffabfälle gesammelt und stofflich recycelt oder energetisch verwertet werden müssen. Weder die Endlagerung in Deponien noch die Entsorgung in die Umwelt sind akzeptabel. Auch biologisch abbaubare Kunststoffe dürfen nicht mehr in den Meeren entsorgt werden – insbesondere da die Abbaubedingungen in der marinen Umwelt generell ungünstig und schwer einzuschätzen sind.
 
Es gibt Kunststoffe, die unter diversen Umweltbedingungen vollständig biologisch abbaubar sind, einige davon auch im Meer. Innovative Werkstoffe für Spezialanwendungen wie Mulchfolien, Textilien oder Microbeads, die auf Stärke, Cellulose-Fasern oder dem neuen Biopolymer PHA basieren sind im Handel bereits erhältlich. Information und Kommunikation zu diesen Produkten müssen verbessert werden und jegliches Greenwashing vermieden werden.
 
Sogenannte „oxo-abbaubare“ Kunststoffe führen in die Irre und sollten verboten werden. Sie stellen keine Lösung des Problems dar, sondern sind im Gegenteil eine zusätzliche Mikroplastik-Quelle. „Oxo-abbaubare“ Kunststoffe werden durch UV-Licht lediglich fragmentiert und werden zu kleinen Mikropartikeln, die nicht biologisch abbaubar sind, sondern für 400 – 500 Jahre in der Umwelt bleiben, genau wie andere petrochemische Standardkunststoffe auch.
 
Letztendlich besteht ein Großteil des Problems im menschlichen Verhalten. Wir müssen vestehen, dass die Meeresumwelt keine Müllhalde ist. Produkte sollten nicht zur Entsorgung im Meer konzipiert werden, jedoch so, dass sie, wenn sie in die Umwelt gelangen unschädlich sind.