Erste Messungen von Mikroplastik in Schweizer Gewässern

21.09.2015 - Roman Lehner

   
In einer neuen Studie, welche am 18 August 2015 online publiziert wurde, haben Forscher der ETH Lausanne (EPFL) zum ersten mal überhaupt Schweizer Gewässer auf das Vorkommen von Mikroplastik und dessen mögliche Auswirkungen untersucht.
 
Aus dem Boden-, Neuenburger-, Genfer-, Zürich- und Brienzersee, dem Lago Maggiore, aus der Rhone sowie den wichtigsten Zuflüssen des Genfersees (Aubonne, Venoge, Vuachère) wurden Proben von der Wasseroberfläche und dem Sand von Stränden entnommen.
 
Die Proben wurden auf das Vorkommen und die Zusammensetzung von Mikroplastik (Plastikpartikel < 5 mm) untersucht. Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Studie war die Untersuchung von Fischen und Vögeln betreffend ihrer Exposition gegenüber Plastik, sowie die Identifizierung und Quantifizierung der aufgenommenen Schadstoffe und Plastikzusatzstoffe.
    
Bild übernommen von Faure et al. 2015
Die 33 Sedimentproben, welche an den jeweiligen Stränden der untersuchten Seen und Flüssen entnommen wurden, beinhalteten alle Mikroplastik. Die einzelnen Proben variierten sehr stark in der Anzahl gefundener Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter. Strände in der Nähe von Hauptzuflüssen haben erhöhte Mikroplastikanteile da sich dort der Plastik stärker ansammelt, so die Erklärung der Wissenschaftler. Im Durschnitt wurden ca. 1300 Mikroplastikpartikel pro Quadratmeter gefunden.
 
Die Untersuchung der Seen und Flüsse erfolgte mithilfe eines „Manta Trawls“, ein schwimmendes Gerät an welchem ein Netz mit einer Maschengrösse von 0.3mm angebracht ist. Die 27 Wasseroberflächenproben in den Seen enthielten alle Mikroplastik. Die Zahl der kleinen Mikroplastikpartikel (< 1mm) war 5.6 Mal grösser im Vergleich zu großen Mikroplastikpartikeln (1-5mm). Die Werte einzelner Wasseroberflächenproben variierten sehr stark. Am Beispiel des Genfersees konnte gezeigt werden, dass die Mikroplastikkonzentrationen nach einem Gewitter 4.4 Mal höher waren als sonst.
 
Nach Angaben der Forscher lässt dies darauf schliessen, dass Mikroplastik vom abfliessendem Niederschlagswasser mitgeschwemmt wird und so in die Seen gelangt. Auch die 24 Messungen in den Flüssen enthielten  alle Mikroplastikpartikel. Anhand der wissenschaftlichen Daten aus der Rhone wurde geschätzt, dass bis zu 14kg Plastik pro Tag aus der Schweiz nach Frankreich fliesst. Untersuchungen zeigten, dass drei von 40 untersuchten Fischen, und acht der neun gefundenen und untersuchten Vogelkadaver, im Verdauungstrakt kleine Mengen an Mikroplastik hatten.
 
Die Mikroplastikpartikel in den Proben (Wasser und Strände) bestanden  aus 62% Polyethylen (PE) (hauptsächlich Folien für Verpackungen), 15% Polypropylen (PP) (hauptsächlich Fasern) sowie 12% Polystyrol (PS) (hauptsächlich Schaumstoffe von Isolationsmaterialien). Im Allgemeinen waren die Strand-Mikroplastikproben weniger Schadstoff belastet als die Wasserproben, wobei die Ergebnisse stark variieren, abhängig vom Ort der  Probenentnahme, Typ und Größe der Partikel sowie der analysierten Schadstoffe. Einige der am meist verunreinigten Proben wurden im Lago Maggiore in der Bucht vor Locarno gemessen. Die Forscher erklären sich dies anhand der möglichen längeren Verweilzeit des Mikroplastiks aufgrund der Isolierung in der Bucht vor Locarno aber auch durch eine erhöhte vorhandende Wasserverschmutzung.
 
Zusammenfassend wurde gezeigt, dass Mikroplastik in allen Proben (Wasser, Strand, Fisch, Vögel) gefunden wurde. Die physischen Effekte der Plastiknahrungsaufnahme wurden nicht demonstriert aber es konnte gezeigt werden, dass Mikroplastik Schadstoffe und Plastikzusätze bindet und diese so ihren Weg in die Nahrungskette finden können. Die Forscher unterstreichen ganz klar, dass mehr Studien im Bereich Plastikverschmutzung durchgeführt werden müssen, da es sich hierbei nur um eine erste Bestandsaufnahme handelt und viele Fragen noch offen stehen.